Angebot soll Senioren zeigen, wie sicher sie mit dem Auto unterwegs sind


Fahr-Fitness-Check
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Angebot soll Senioren zeigen, wie sicher sie mit dem Auto unterwegs sind

Der Würselener Fahrlehrer Frank Schartmann bietet Senioren im Namen des ADAC an, in einer praktischen Fahrstunde Defizite auszumachen, die im Straßenverkehr zur Gefahr werden könnten.

„Autofahren“, da ist sich der Würselener Fahrlehrer Frank Schartmann sicher, „ist keine Frage des Alters.“ Und dabei spricht er aus Erfahrung, in bereits 23 Jahren Berufspraxis hat er Menschen das Autofahren beigebracht. Jungen Menschen, aber auch älteren. Und gerade den Autofahrern ab circa 65 Jahren bietet er ein besonderes Schulungs-Angebot: Seit 2014 führt er als einzige Fahrschule in der Städteregion den Fahr-Fitness-Check für Senioren durch, um die tatsächliche Fahrfertigkeiten älterer Menschen zu beurteilen und ihnen Tipps zu geben.

Dies macht er im Namen des ADAC, der solche Checks bundesweit anbietet. Aber auch immer häufiger per Mundpropaganda. „Senioren stehen im Straßenverkehr nicht immer im besten Licht, was die Verkehrstauglichkeit angeht. Dabei verfügen sie ja eigentlich über die größte Fahrerfahrung und strahlen häufig mehr Ruhe am Lenkrad aus. Aber natürlich müssen sie sich auch ständig mit Änderungen seit ihrer Führerscheinprüfung auseinandersetzen. Deshalb hat mich das Thema sehr interessiert und ich habe mir überlegt, dieses wichtige Angebot zu starten“, sagt Schartmann.

In Deutschland ist die einmal erworbene Fahrerlaubnis unbefristet gültig. Anders zum Beispiel in der Schweiz, wo alle Autofahrer ab 70 Jahren alle zwei Jahre eine ärztliche Untersuchung absolvieren müssen. „Mobilität ist gerade im hohen Alter ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität“, findet Schartmann und er hat dabei eine hohe Lernbereitschaft der älteren Menschen festgestellt. Sie kommen auf Eigeninitiative und möchten wissen, wie es um ihre Fahrfertigkeiten steht und ein qualifiziertes Feedback vom Fahrlehrer bekommen.

Das Alter ist dabei genau so unterschiedlich wie soziale Schichten, Fahrerfahrung oder Geschlecht. Während der jüngste Teilnehmer des Checks 63 Jahre alt war, war der Älteste 92. Und auch „Wiederholungstäter“ gab es bereits, die bis zu fünf Mal am Check teilnahmen. Insgesamt waren es bislang über 80 Autofahrer und Autofahrerinnen, die mit Frank Schartmann 45 Minuten in ihrem Auto unterwegs waren. Mit einer solchen „Beobachtungs-Fahrt“ beginnt der Fahr-Fitness-Check. „Die älteren Menschen entscheiden dabei über die Strecke, die wir fahren. Meist innerorts oder auf der Autobahn, Wege, die sie häufiger zurück legen und auf denen es Fragen zu Neuerungen gibt“, berichtet der Würselener Fahrlehrer.

„Bewusst, regelkonform, routiniert“ sei dabei meist die Fahrweise gewesen. Und Probleme gab es in den seltensten Fällen, „wenn zum Beispiel ein Herr einen Kilometer lang im ersten Gang fuhr oder ein anderer bei Gelb an der Ampel noch Vollgas gab.“ Doch das seien die Ausnahmen gewesen, selbstkritisch seien die älteren Menschen unterwegs. Und ab und an fragend, wenn sie den gewohnten Komfortbereich verlassen. Beim Ein- oder Ausfahren im Kreisverkehr beispielsweise. Beim Vorbeifahren an einem Linien- bzw. Schulbus, wenn dieser mit Warnblinklicht an einer Bushaltestelle hält.

Oder aber beim Grünpfeil-Schild. „Ein ursprünglich aus Ostdeutschland stammendes Verkehrsschild, das wohl den meisten unbekannt ist, die vor mehreren Jahrzehnten die Führerscheinprüfung abgelegt haben“, so Frank Schartmann. Bei solchen ihnen unbekannten Schildern aber auch bei Neuerungen stellt er eine gewisse Verunsicherung fest, da seien die Senioren nicht immer fest im Thema. Fragen gibt es auch oft zum technischen Bereich eines Fahrzeugs, zum Beispiel zu Anfahrhilfe, Tempomat oder Spurhalteassistent.

Im theoretischen Teil gebe es ebenfalls noch Potenzial. All das wird nach der 45-minütigen Fahrt – dabei sind Fahrlehrer und Schüler übrigens genau wie bei Fahranfängern per „Du“ – besprochen und aufgearbeitet. Wobei Analyse und Verbesserungsvorschläge nur Empfehlungen sind, eine Meldung an Behörden erfolgt nicht, denn Vernunft und Eigenverantwortung sind gefragt. Und gibt es Nachschulbedarf, dann schnürt Frank Schartmann ein Paket. „Ich kann einen solchen Check wirklich nur jedem älteren Autofahrer empfehlen. Sowohl in deren Sinne, wie auch im Interesse aller Verkehrsteilnehmer“, betont er.

Schließlich, so ergänzt der Fahrlehrer, haben die Senioren auf diese Weise auch eine Vorbildfunktion, „wenn Kinder oder Enkel sehen: ‚Aha, unser Opa/Oma tut was, um im Straßenverkehr fit zu sein.‘“ Der Bedarf, so vermutet er, wird in der Zukunft noch größer, denn durch den demografischen Wandel gebe es immer mehr ältere Autofahrer.

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