Versicherung kündigen: So geht es richtig

  • Die private Haftpflichtversicherung
  • Die Kfz-Versicherung
  • Die Hausratversicherung
  • Die private Unfallversicherung
  • Die Berufsunfähigkeigts-Versicherung
  • Die Risiko-Lebensversicherung

Ja, es stimmt schon: Es ist wichtig, Versicherungen abzuschließen. Manchmal ist das sogar Pflicht, wie beim Auto. Im Schnitt hat jede*r Deutsche sechs Policen im Versicherungsordner. Über 1.500 Euro gibt jeder Haushalt laut Statistischem Bundesamt (Stabu) pro Jahr für private Assekuranzen aus. Es gibt aber gute Gründe, auch einmal deine Versicherung zu kündigen. Damit das klappt, musst du einiges beachten. Noch ein Hinweis: Die Reihenfolge der aufgelisteten Versicherungsarten folgt der Anzahl der abgeschlossenen Policen.

Die private Haftpflichtversicherung

83 Prozent der deutschen Haushalte haben eineprivate Haftpflichtversicherung. Du kannst sie in der Regel drei Monate vor dem Ende des Vertrages kündigen. Die meisten Verträge laufen nur über ein Jahr. Kündigt keiner der Vertragspartner, verlängert sich der Vertrag immer wieder um ein weiteres Jahr. Diese Regel gilt bei sehr vielen Versicherungssparten.

In der privaten Haftpflichtversicherung gibt es ein Sonderkündigungsrecht, und zwar dann, wenn der Leistungsfall eintritt. Entscheidend ist der Zeitpunkt, zu dem der Versicherer dich als Kunden von der Haftung freistellt, den Schaden anerkennt und ihn übernimmt. Das heißt im Klartext, dass der Versicherer in einem Schadenfall dir als Versichertem zusagt, sich um die Abwicklung mit dem Geschädigten zu kümmern. Dann ist dies der richtige Zeitpunkt für eine Kündigung. Sollte der Versicherer zu Unrecht die Haftung nicht übernehmen, hast du als Versicherter trotzdem das Sonderkündigungsrecht.

In der Haftpflichtversicherung gibt es eine weitere Sonderkonstellation: Erhebt ein Dritter Schadenanspruch, kann die Haftpflichtversicherung dich als Versicherten anweisen, es auf einen Rechtsstreit ankommen zu lassen. Das kann der Fall sein, wenn die Versicherung davon ausgeht, dass der vermeintlich Geschädigte gar keinen Schadenanspruch hat. Kommt es dann im Rechtsstreit zu einem Urteil, kann der Versicherte innerhalb eines Monats seinem Versicherungsunternehmen kündigen. Gleiches Recht hat ebenfalls der Versicherer.

Die Kfz-Versicherung

In 81 Prozent der deutschen Haushalte gibt es mindestens eine Kfz-Versicherung. Diese sind, sowohl die Haftpflicht- als auch die Kaskoversicherungen, jährlich kündbar. Die Frist beträgt hier einen Monat zum Ende des Versicherungsjahres. Bei alten Verträgen ist das Versicherungsjahr mit dem Kalenderjahr identisch. Stichtag ist dann der 30. November. Für die Wirksamkeit deiner Kündigung ist der Eingang des Kündigungsschreibens beim Versicherungsunternehmen entscheidend.

Achtung: Teilt dir der Kfz-Versicherer erst Ende November oder gar erst im Dezember die Beitragserhöhung mit, dann steht dir ein Sonderkündigungsrecht zu.

Wenn du ein Fahrzeug kaufst, das bereits angemeldet ist, übernimmst du damit den Versicherungsvertrag des Verkäufers. Du darfst aber die alte Police innerhalb eines Monats nach Kauf des Fahrzeugs mit sofortiger Wirkung kündigen. Wenn du einen neuen Kfz-Versicherungsvertrag bei einem anderen Versicherer abschließt, gilt das als Kündigung.

Die Hausratversicherung

Eine Hausratsversicherung haben 76 Prozent der deutschen Haushalte. Deine Hausratversicherung kannst du regulär zum Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit ordentlich kündigen. In der Regel sehen die Verträge dafür eine Kündigungsfrist von drei Monaten vor. Wann genau der Kündigungstermin liegt, hängt davon ab, wann du den Hausrat versichert hast und welche Vertragsperiode oder Laufzeit vereinbart ist. Die meisten Verträge laufen über ein Jahr. Kündigst weder du noch der Versicherer den Vertrag, verlängert sich dieser immer wieder um ein weiteres Jahr. Hast du eine einjährige Hausratversicherung also zum Beispiel am 1. Mai eines Jahres abgeschlossen, kannst du im nächsten Jahr mit Termin am 30. April kündigen. Aufgrund der dreimonatigen Kündigungsfrist muss dein Schreiben bereits drei Monate vorher bei der Versicherung vorliegen. Bei dreijährigen Policen verschiebt sich der früheste Zeitpunkt für eine ordentliche Kündigung entsprechend.

Neben der ordentlichen Kündigung kannst du deine Hausratversicherung außerordentlich kündigen. Dies funktioniert allerdings nur, wenn es einen Grund dafür gibt. Der ist immer vorhanden, wenn die Rechnung mit einer Beitragserhöhung ins Haus flattert. Ein zweiter Grund ist eine erfolgte Schadensregulierung.

Bei einer außerordentlichen Kündigung gilt nicht die gewohnte dreimonatige, sondern nur eine einmonatige Kündigungsfrist. Diese Frist beginnt an dem Tag, an dem du Kenntnis über die Beitragserhöhung oder die Schadensregulierung erhältst. Du hast dann einen Monat Zeit, um dein Sonderkündigungsrecht zu nutzen. Das Kündigungsschreiben muss bis zum Ende der Frist bei der Versicherung eingegangen sein. Der Termin, an dem der Vertrag ausläuft und dein Versicherungsschutz nicht mehr besteht, liegt in den meisten Fällen einen Monat nach dem Eingang deines Schreibens bei der Versicherung.

Die Rechtsschutzversicherung

Die ordentliche Kündigungsfrist einer Rechts­schutz­ver­si­che­rung beträgt in der Regel drei Monate. Du kannst also den Vertrag bis spätestens drei Monate vor Ende der Laufzeit kündigen. Verträge können unterschiedlich lange Laufzeiten haben, oft sind es ein, drei oder fünf Jahre. Deshalb ist es wichtig, dass du in deinen Unterlagen prüfst, wie lange dein Vertrag läuft.

Hast du deinen Ein-Jahres-Vertrag beispielsweise zum 1. Januar abgeschlossen, muss dein Kündigungsschreiben bis zum 30. September desselben Jahres bei der Versicherung eingehen, damit der Vertrag zum 31. Dezember endet.

Verstreicht die Kündigungsfrist, verlängert sich die Rechts­schutz­ver­si­che­rung meist stillschweigend um ein weiteres Jahr. Fordere die Versicherung auf, deine Kündigung zu bestätigen. Falls du erst kurz vor Fristablauf kündigst, solltest du die Kündigung als Einschreiben mit Rückschein schicken.

Das Sonderkündigungsrecht bei der Rechtsschutzversicherung

Bei der Rechtsschutzversicherung, die es in 46 Prozent der deutschen Haushalte gibt, gibt es mehrere Fälle, in denen das Sonderkündigungsrecht zum Tragen kommt:

  • Versicherung zahlt nicht: Weigert sich deine Versicherung, die Kosten für einen Rechtsstreit zu übernehmen, obwohl sie vertraglich dazu verpflichtet ist, kannst du innerhalb eines Monats kündigen. Alternativ kannst du dich beim Ver­si­che­rungs­om­buds­mann beschweren und ihn bitten, die Angelegenheit zu klären. Das ist für Verbraucher immer kostenlos.
  • Beitragserhöhung: Erhöht der Anbieter den Beitrag, ohne die Leistung des Rechtsschutzvertrags zu verbessern, darfst du innerhalb eines Monats kündigen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem du die Information über die Beitragserhöhung erhältst. Kündigen kannst du dann mit sofortiger Wirkung, allerdings nicht vor dem Termin, ab dem die Beitragserhöhung gilt.
  • Risikowegfall: Fällt das versicherte Risiko weg, kannst du den Vertrag mit sofortiger Wirkung beenden. Möglich ist das etwa, wenn du dein Auto abmeldest und deshalb keinen Ver­kehrs­rechts­schutz mehr brauchst oder wenn du den Berufsrechtsschutz abwählst, weil du in Rente gehst oder dich selbstständig machst.
  • Veränderte Gefahrenumstände: Nach dem Abschluss der Rechts­schutz­ver­si­che­rung können Veränderungen dazu führen, dass die Versicherung ein erhöhtes Risiko für Rechtsstreitigkeiten befürchtet. Zum Beispiel, wenn du dir zusätzlich zum Auto ein Motorrad anschaffst. In solchen Fällen darf der Anbieter den Beitrag erhöhen. Ein Son­der­kün­di­gungs­recht hast du dann, wenn der Beitrag um mehr als 10 Prozent steigt oder der Anbieter es ablehnt, die erhöhte Gefahr zu versichern.

Übrigens: In 46 Prozent der deutschen Haushalte gibt es eine Rechtsschutzversicherung.

Die private Unfallversicherung

In der privaten Unfallversicherung sind Versicherungsverträge mit drei Jahren Laufzeit durchaus üblich. Auch hier gilt wieder: Sprichst weder du als Versicherter noch das Versicherungsunternehmen eine Kündigung aus, verlängert sich der Vertrag immer nur um ein weiteres Jahr.

Kündigung nach Leistungsfall oder Rechtsstreit: Wenn du als Versicherter gegen das Versicherungsunternehmen klagst oder sobald es eine Leistung erbracht hat, können beide Seiten den Vertrag kündigen. Für die Kündigung gilt eine Frist von einem Monat nach der Beendigung des Rechtsstreits oder der Leistung des Versicherers. Den eingetretenen Schaden muss die Versicherung, nach einem entsprechenden Urteil, aber in jedem Fall bezahlen.

In 42 Prozent der deutschen Haushalte gibt es eine private Unfallversicherung.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Kündigung einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), wie sie 26 Prozent der deutschen Haushalte haben, solltest du dir gut überlegen. Schließlich rettet sie dich im Notfall vor dem finanziellen Ruin, wenn du wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kannst. Bei einer vorübergehenden finanziellen Klemme gibt es daher Möglichkeiten, die BU-Kosten zeitweise zu verringern, entweder durch Stundung oder Beitragsfreistellung. Kündigen solltest du aber nur, wenn du die Beiträge dauerhaft nicht mehr zahlen kannst oder wenn du einen falschen Tarif gewählt hast. §11 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) bestimmt, dass die Kündigungsfrist für beide Vertragsparteien gleich lang ist und zwischen einem und drei Monaten liegen muss.  Läuft dein Vertrag auf unbestimmte Zeit, darfst du ihn meist zum Ablauf des Versicherungsjahres kündigen, also zu dem Datum, an dem du die Versicherung abgeschlossen hast. Zahlst du die Beiträge nicht jährlich, sondern monatlich, viertel- oder halbjährlich, kannst du in der Regel zum nächsten Zahlungstermin kündigen.

Wenn dir kurz nach der Unterschrift unter den Vertrag klar wird, dass die abgeschlossene BU doch nicht passt, hast du eine Widerrufsfrist. Bis 30 Tage nach Erhalt des Versicherungsscheins kannst du die Versicherung ohne Angabe von Gründen widerrufen. Schließt du zu einem späteren Zeitpunkt nochmal eine neue BU ab, musst du damit rechnen, bei den Beiträgen tiefer in die Tasche greifen. Wirst du in der Zwischenzeit krank, kann es außerdem schwierig werden, eine neue BU zu bekommen. 

Und bei der BU gilt: Der Versicherer kann dir nicht kündigen, wenn er dir Leistungen gewährt. Du selbst kannst den Vertrag ebenfalls nicht ordentlich kündigen, wenn du BU-Leistungen erhältst. Das ist erst wieder möglich, wenn du keine Leistungen mehr aus der BU beziehst, etwa wenn du wieder arbeitest.

Die Risiko-Lebensversicherung

Die Kündigung einer Risiko-Lebensversicherung ist nicht immer vom Vorteil, deshalb solltest du Alternativen prüfen. Ist die Entscheidung für die Kündigung gefallen, ist die korrekte Vorgehensweise und Form zu beachten.

Du kannst aus verschiedenen Gründen deine Risiko-Lebensversicherung kündigen, etwa:

  • weil die Beiträge bei einem anderen Versicherer günstiger sind,
  • weil du die Beiträge aufgrund eines finanziellen Engpasses nicht mehr zahlen kannst oder
  • weil kein Bedarf mehr an Hinterbliebenenschutz aus der Risiko-Lebensversicherung besteht.

In jedem Fall solltest du wissen, dass die eingezahlten Beiträge nicht an dich zurückfließen und deshalb die Kündigung mit finanziellen Verlusten verbunden ist.

Wer nach der Kündigung eine erneute Risiko-Lebensversicherung abschließen will, muss eine neue Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen. Zudem ist zu erwarten, dass die zu zahlenden Beiträge schon aufgrund deines gestiegenen Eintrittsalters höher ausfallen. Also: Der Wechsel in die günstigere Versicherung zahlt sich nicht immer aus, weil ein erhöhtes gesundheitliches Risiko und ein höheres Eintrittsalter mit höheren Beiträgen verbunden sind.

Das Kündigungsschreiben sollte in Briefform und am besten per Einschreiben erfolgen. Die Angabe der Versicherungsnummer, Kündigungsfrist sowie die Unterschrift nicht vergessen. Darüber hinaus solltest du im Kündigungsschreiben eine schriftliche Bestätigung der Kündigung anfordern. Das ist besonders dann wichtig, wenn du bei einem anderen Unternehmen eine Risiko-Lebensversicherung abschließen willst. Die Schriftform ist ebenfalls notwendig, wenn du den Vertrag beitragsfrei stellen willst, die Versicherungssumme herabsetzen oder die Risiko-Lebensversicherung in eine Kapitallebensversicherung umwandeln willst.

Willst du deine Risiko-Lebensversicherung kündigen, solltest du die Kündigungsfrist einhalten – es sei denn, du willst vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Diese Frist beträgt einen Monat zum Ende eines Versicherungsjahres, wenn die Beitragszahlung jährlich erfolgt. Bei einer monatlichen Beitragszahlung ist die Kündigung oft zu einem anderen Zeitpunkt unter Einhaltung einer vierwöchigen Frist möglich. Handelt es sich um eine gewöhnliche Risiko-Lebensversicherung zur Absicherung der Hinterbliebenen, ist die Kündigung fast immer problemlos möglich. Handelt es sich allerdings um eine Restschuldversicherung mit fallender Versicherungssumme, ist das nicht so einfach. In diesem Fall ist Beratung notwendig.

Übrigens: In 17 Prozent der deutschen Haushalte gibt es eine Risiko-Lebensversicherung.

Zum Schluss: Formfehler vermeiden

Kündigungen solltest du per Einschreiben oder per Fax mit Sende­bericht verschicken. Möglich ist auch, per E-Mail eine Kündigung auszusprechen. In dem jeweiligen Schreiben sind neben der eigenen Anschrift Versicherungs­nummer und Kündigungs­zeitpunkt – wenn der dir nicht bekannt ist “zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ – anzugeben.

Nicht vergessen: Die Einzugs­ermächtigung widerrufen. Wichtig ist auch, sich immer den Eingang bestätigen zu lassen. Bei einer Kündigung per Brief ist nicht der Poststempel ausschlaggebend, sondern das Eingangs­datum des Kündigungs­schreibens beim Versicherungs­unternehmen.

Tipp: Möchtest du den Vertrag wechseln, solltest du einen lückenlosen Ver­si­che­rungs­schutz sicherstellen und dich frühzeitig für ein neues Angebot entscheiden. Denn bei vielen Bereichen im Rechtsschutz bestehen Wartezeiten. Das heißt, du erhältst nicht direkt ab Vertragsbeginn Leistungen. Wenn der neue Vertrag aber ohne einen Tag Unterbrechung an den alten anschließt, wird dir die Vertragsdauer des alten Vertrages an die übliche Wartezeit angerechnet. 

Fazit

Über 1.500 Euro geben wir im Schnitt pro Jahr für Versicherungen aus. Das ist viel Geld und will wohlüberlegt sein; möglichst vor dem Abschluss. Denn eine Kündigung hat durchaus ihre Tücken. Bei der Kfz-, Hausrats- und Rechtsschutzversicherung ist das noch relativ einfach. Bei der Risiko-Lebensversicherung oder der Berufsunfähigkeitsrente brauchst du unbedingt Beratung, bevor du diesen Schritt gehst.   

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