Köchin Sarah Wiener will Ernährung in Kindergärten verbessern


Stadat Bonn kooperiert mit Starköchin
:
Ernährung in Kitas soll verbessert werden

Starköchin Sarah Wiener setzt sich dafür ein, dass schon die Jüngsten den Umgang mit frischen Lebensmitteln kennenlernen. Sie war zu Gast in der Kita Wilfried-Hatzfeld-Straße.

Kochen kann doch wohl jeder. Der Nachwuchs in der städtischen Kita Wilfried-Hatzfeld-Straße macht es vor: Sara (6) hat geholfen, die Zutaten für die Möhrensuppe zu schneiden und zu pürieren, Noah (5) erzählt aus dem Handgelenk, wie man Knäckebrot selber macht – erst Mehl und Haferflocken, dann Wasser, Öl und Salz, alles mischen, aufgehen lassen und auf ein Backblech, zuletzt mit Kürbiskernen bestreuen. Und Sofia und Laura (beide 6) wissen, wie man Vanillesoße herstellt. „Aus dem Vanillestäbchen Pulver machen, dann braucht man zwei Löffel Honig, Stärkepulver und dreimal Milch.“ Alles kochen, abkühlen lassen und über die Erdbeeren gießen. Ist doch selbstverständlich, oder?

Eben nicht, sonst gäbe es die Sarah-Wiener-Stiftung nicht, die eine Kooperation mit der Stadt Bonn eingegangen ist. In den städtischen Kitas soll das Kochen eingeführt werden. Mit drei Kindergärten wird gestartet, der in Vilich-Müldorf ist einer davon, die beiden anderen sind die an der Lengsdorfer Schulstraße und die Verbund-Kita in Lannesdorf. Aber über kurz oder lang sollen alle 70 Einrichtungen der Stadt diese Förderung erhalten.

Und so sieht das aus: Die Erzieherinnen und Erzieher machen eine Fortbildung zu „Genussbotschaftern“ mit einem theoretischen und einem praktischen Teil und lernen dabei, wie man mit Kindern kocht. Dann erhalten die Kitas jeweils 500 Euro, von denen sie Zutaten anschaffen können, die mit den Kindern verarbeitet werden.

Das macht für Bonn 35000 Euro, die von der Barmer Ersatzkasse bezahlt werden. „Die Kinder lernen verschiedene Lebensmittel kennen, die sie von zu Hause vielleicht nicht kennen würden“, erklärt Katja Sauermann, die die Kita an der Wilfried-Hatzfeld-Straße leitet. Alle Kinder können mithelfen. „Wir machen das auch mit den Zweijährigen, die helfen beim Schneiden.“ Kleinigkeiten werden mehrmals in der Woche zubereitet, ein aufwendigeres Essen für alle Kinder einmal im Monat, der Caterer wird dann abbestellt. Die Rezepte bekommen die Kinder in ihre Entwicklungsmappe.

„Es gibt Kinder in Deutschland, die mit fünf Jahren noch nie eine Karotte gegessen haben“, sagt Stiftungsgründerin Sarah Wiener. Denn in vielen Familien werde inzwischen nicht mehr richtig gekocht, oder zumindest nicht mit frischen Zutaten, die nicht aus der Industrie kommen, so die Köchin und Gastronomin. Sie will diesen Kindern ein Kocherlebnis ermöglichen und setzt da an, wo sie die Kinder außerhalb der Familien erreicht, nämlich im Kindergarten.

24.000 Genussbotschafter in 14.000 Kitas

Die Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!“ startete 2015 und hat inzwischen rund 24.000 Genussbotschafter in 14.000 Kitas und Grundschulen in ganz Deutschland. Im Jahr werden bis zu 460 Fortbildungen durchgeführt. Möglich macht das neben der Bereitschaft vieler Kitas auch die finanzielle Unterstützung durch die Barmer, die von Beginn an dabei ist.

„Die Gesundheitsförderung von Kindern gehört zum Kern unserer Präventionsarbeit“, sagt Daniel Severus, Geschäftsführer der Barmer in Bonn. Bis 2026 möchte man 15 Prozent aller Kindergärten in Deutschland mit „Ich kann kochen!“ erreichen.

Ziel ist natürlich, dass die Kinder gesunde Ernährung kennenlernen und diese Erfahrung auch nach Hause tragen. „Nur wenn sie kochen können, können sie auch entscheiden, was sie essen wollen“, sagt Wiener, die zum Startschuss in Bonn an die Kita in Vilich-Müldorf gekommen war und dort mit Oberbürgermeisterin Katja Dörner und Severin essen durfte, was die Kinder gekocht haben: eben Möhrensuppe, Knäckebrot mit Kräuterquark-Dip und Erdbeeren mit Vanillesoße.

Frische Lebensmittel

Frische Lebensmittel verarbeiten zu können, sei eine Alltagskompetenz, ist Dörner überzeugt. „Mehr Wertschätzung für Lebensmittel“ erhofft sie sich: weniger wegschmeißen, mehr genießen. Für Wiener, die sich auch politisch in dieser Richtung engagiert, ist das eine gesellschaftliche Aufgabe: Man müsse dem Trend zu billigen hochindustrialisierten Nahrungsmitteln etwas entgegensetzen. „In einer Welt, in der immer weniger Familien kochen und kochen können, müssen wir aufpassen, dass es nicht eine soziale Schere gibt zwischen arm und reich.“ Hinzu komme, dass sich das Geschmacksgedächtnis in den ersten Lebensjahren entwickle. Und nicht zuletzt sei Kochen auch ein gesellschaftliches Ereignis und „die erste Säule für einen gesunden Lebensweg, den die Kinder beschreiten können“, so Wiener.

Die Kinder in der Kita Wilfried-Hatzfeld-Straße sind jedenfalls auf einem guten Weg. Das Kochen macht ihnen Spaß, auch den Einkauf machen sie oft mit. Für manche ist das nicht neu. „Ich habe schon mehr als einmal mit den Eltern gekocht“, sagt Georg (5). Und alle sind sich einig: Das eigene Werk schmeckt immer am besten.

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